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Laufbericht vom Berlin-Marathon 2004

 

Berlin local time: 02:04:55

das war Paul Tergat beim Berlin-Marathon im Jahr 2003. Im Jahr 2004 hat der Sieger Felix Limo 2:06:irgendwas für die 42,195km in Berlin gebraucht. Da war ich noch nicht mal bei km 20 und brauchte nochmals gute 2 Stunden, bis ich nach 4:08:02 total erschöpft und überglücklich die Ziellinie hinter dem Brandenburger Tor überquerte.

Doch erst mal alles der Reihe nach: Angespornt durch die Marathon Teilnahmen von guten Freunden und nicht zuletzt durch meinem alten Herren hat mich mein alter Herr dadurch zur Teilnahme am Berlin-Marathon 2004 überzeugen können, indem er uns beide angemeldet hat. So einfach geht das!

Nach einer ca. halbjährigen Vorbereitungszeit war es dann soweit: Papa hatte sich am Knie verletzt und so stand ich am 26.09.04 um 08:40 Uhr leider alleine auf der Straße des 17. Juli im Startblock H des Berlin-Marathons und bekam eine Vorstellung davon, dass 35.000 Leute doch eine ganze Menge sind. Damit einem nicht die Beine einfrieren, war mitten im Startblock war ein Podest für Frühsportanimation aufgestellt. Ich machte mal mit, denn
a) ich hatte eh nix anderes zu tun
b) die anderen machten das auch
c) aufwärmen vor dem Lauf kann nie schaden
d) die Mädels auf dem Podest sahen einfach nur gut aus!

Um die Strecke ein wenig zu entzerren, wurden die verschiedenen Startblöcke einzeln gestartet. Um 09:00 Uhr war der erste Start für die Blöcke A-E, begeleitet von einem Riesenjubel unter den Läufern. Für meinen Block H fiel der Startschuss erst um 09:18. Jetzt bloß nicht zu schnell loslaufen, sonst tut das hinten raus richtig weh. Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug, vorbei an der Siegessäule, Bundeskanzleramt, Reichstag, sightseeing mal anders.

Beim ersten Getränkestand bemerkte ich dann, dass ich bei der Vorbereitung vergessen hatte, das Trinken aus Pappbechern während des Laufens zu üben. Ein kleiner Schuck ging rein, der Rest ging über das Hemd. Na prima - geht ja gut los.

Die ersten 25km ist der Lauf wie im Flug vergangen. Vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten Berlins und durch ein recht einmaliges Zuschauerspalier. Besonderen Schub gaben einem diverse Trommler-, Jazz-, und Folkloregruppen, sowie meine Eltern, die an insgesamt 4 Stellen plaziert waren (die konnten zwischendurch jedoch S- und U-Bahn fahren).

Meine Laufbekleidung (Trikot von Alemannia Aachen) sorgte zwischendurch nochmal für eine kurze Ablenkung. Bei km 15 sprintete ein Streckenposten auf mich zu, nahm mich in den Arm und philosophierte mit mir über das verloren gegangene Pokalfinale der Alemannia in Berlin. Typen gibt's...

Den Halbmarathon schaffte ich in knapp unter 2 Stunden. Meine euphorische Stimmung wurde ein wenig getrübt, als ich darüber nachdachte, dass die ersten bereits im Ziel sein könnten (waren sie auch!).

Km 27: der Platz am Wilden Eber. Dieser Name war Programm. Bereits 500m vor diesem Platz wurde man von heftigem getrommel aus Lautsprechern beschallt, auf dem Platz sah man dann die Samba-Combo, die für dieses rhythmische Gedröhne verantwortlich war. Zu der Musik tanzten einige gut aussehende Cheerleader und der Platz war gerammelt voll. Ob die Leute nun wegen uns oder wegen der Cheerleader gekommen sind, war mir in dem Moment eigentlich egal.

Kurz nach diesem Highlight ab km 28 merkte ich dann langsam, dass ich auf keiner Spassveranstaltung war, sondern auf einem Wettkampf - gegen den inneren Schweinehund.

Richtig übel wurde es dann ab km 37. Die Reserven waren aufgebraucht und das Rote-Kreuz-Zelt mit den Massageliegen davor strahlte eine nie dagewesene Anziehungskraft aus! Die Streckenführung auf den letzten Kilometern war auch alles andere als aufbauend, da man erst einmal wieder vom Brandenburger Tor (=Ziel) weg läuft. Noch einmal rum um Erichs Lampenladen (Palazzo Prozzo) und dann ging's auf die Zielgerade "Unter den Linden". Hier war noch mal die Hölle los, Trommlergruppen, Zuschauer ohne Ende und das Ziel im Blick. Die Stimmungsschwankungen reichen von "40km hätten doch auch gereicht" über "was mach ich hier eigentlich" bis zu "Wahnsinn, ist das toll hier". Der Wechsel vollzieht sich dabei im Sekundentakt.

Im Ziel angekommen ist man überglücklich und fragt man sich erst einmal, wie man die letzten paar Kilometer mit dem Beinen da unten dran überhaupt noch laufen konnte. Ich ging wie auf Eiern, wie beinahe jeder im Zielbereich. Aber wie stand es noch so aufmunternd auf einem Schild: "Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt".

Was ebenfalls geblieben ist, ist der Spaß daran.